Mit Kinderwagen im Café
Von der NW getestet: Was die Bielefelder Altstadt Mutter und Kind bietet
Bielefeld. Wenn oder Mann mit dem Kinderwagen losschiebt, um sich nach dem Einkaufsbummel durch die Altstadt eine Kaffeepause zu gönnen, bietet sich eine große Auswahl verschiedener Coffeeshops und Kneipen. Doch wie kinderfreundlich sind die Cafés in diesem Teil der Stadt wirklich? Wir haben getestet.
Ein nebliger Novembertag: Mutter Valeska Szitnick schiebt den Kinderwagen (Inhalt: Jannis, 14 Monate) durch die Altstadt. Wir suchen ein Café mit Wohlfühl-Atmosphäre auch für das Kind. Wer mit dem Kinderwagen unterwegs ist, fühlt sich manchmal wie ein wandelnder Störfaktor - die lieben Kleinen fordern viel Aufmerksamkeit - und ziehen mit einer Heulbojen-Attacke schon mal böse blicke auf sich.
Im Café-Mekka der Altstadt, der Gehrenberg-Meile, haben sich in den vergangenen Jahren die Kaffeehäuser vervielfacht. Im Sommer verbreitet die Straße mediteranes Flair. Im Café “Thumel 1504″ am Gehrenberg 3, ehemals Traditions-Fleischerei Thumel, gibt es außer einer heißen, weißen Schokolade im hinteren Teil auch einige lauschigere Ecken. “Hier ist genügend Platz, um den Kinderwagen abzustellen”, stellt Valeska zufrieden fest. Allerdings wird dieser Teil schon bald kaum mehr junge Mütter anlocken. Hier, wie auch im Café Tresor, heißt der Inhaber Hassan Mimouni. “Wir werden in der kommenden Woche im Teil hinter der Glastür eine Raucherlounge haben. Das Belüftungssystem ist jetzt fertig geworden”, so Mimouni.
Jannis hat inzwischen, einer neu entdeckten musikalischen Begabung folgend, die Espressotasse mit seinem Löffel zum Schlagzeug erklärt: eine Spielecke, die ihn von dieser Art der Musikalität abbringen könnte, gibt es im Thumel nicht.
Das “Miner’s Coffee” im lässigen Stil New Yorker Coffeeshops, befindet sich nur ein paar Schritte weiter, am Gehrenberg 7-9. Hier ist immer etwas los, das Café öffnet seine Türen um 7.30 Uhr. Hinter den großen Glasfronten mischen sich auch Frauen mit Kinderwagen unter das junge Publikum. An der Theke gibt es auch Wunsch einen Kinder-Cappuccino gratis. Geschäftsinhaber Rolf Grotegut, der das Miner’s bereits 2001 eröffnete, erklärt: “Das ist ein Pappbecher mit ganz viel Milchschaum und einem kleinen Topping mit Schokolade oder Karamell”. Wer mit dem Ausschenken einmal angefangen habe, sei schwer nachvollziehbar. Aber jetzt ist dieser “Kinder-Capu” in vielen Cafés bleibt: man kriegt ihn im “Thumel”, im “Tresor”, im “Kaffeekunst Ratscafé” und im “Café Schlösschen”.
Ein Café und ein Getränk später: Jannis schiebt geräuschvoll Tische durch das Café und dann plötzlich liegt, zack, das Glas auf dem Boden und ist in tausend Scherben zerbrochen. Das Service-Team nimmt’s gelassen. Hier, im Café Tresor, in der Steinstraße 3, treffen wir auch auf fünf weitere junge Mütter. “Das ist hier so etwas wie unser zweites Wohnzimmer. Definitiv ein kinderfreundlicher Laden. Die Mitarbeiterinnen sind sehr lieb und unkompliziert, machen auch schon mal ein Fläschchen warm”, schwärmt Viola Holthöfer, eine der fünf Frauen. Die jungen Mütter treffen sich regelmäßig im Tresor, allein schon, weil man hier unglaublich entspannt fünf Kinderwagen im hinteren Teil des Cafés platzieren kann, ohne andere damit zu stören.
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Fazit: Die Altstadt bietet auch mit einem Kinderwagen im Schlepptau allerlei taugliche Möglichkeiten, entspannt zu verschnaufen. Kinderfreundlichkeit in Cafés ist auch für die Gastronomen hier kein Fremdwort mehr - und wenn jetzt auch noch die bösen Blicke einiger Gäste ausbleiben, wird sich das Störfaktor-Gefühl vielleicht bald ganz legen.
Quellangabe:
Format: Neue Westfälische
Redaktion: Lokales
Verlag: Zeitungsverlag Neue Westfälische GmbH & Co.KG
Ausgabe: Samstag/Sonntag, 29./30.11.2008
Autoren: Clara Brachvogel (Text) und Andreas Fürcht (Fotos)






