“Der Tod fährt mit, wenn Yoko Ono dabei ist”
Hans Zippert ätzt und spottet in und über Bielefeld
Bielefeld. “Warum sind die Bielefelder bloß so zipperlich?”, fragt sich Hans Zippert, “ich wünsche mir, dass der ganze Schwindel aufhört und Yoko Ono endlich auffliegt.” Der in Bielefeld geborene Satiriker und Kolumnist Hans Zippert füllt das Café Miner’s. Er stellt sein neues Buch “Die Tellerwächter oder wer das Wetter wirklich macht” vor und liest auch einige seiner Kolumnenbeiträge und aus “Die 55 beliebtesten Krankheiten der Deutschen”, die Zippert, wie er sagt, “alle selbst ausprobiert” hat.
Sein erstes Opfer: Yoko Ono und ihre Ausstellung in der Kunsthalle. Das Rahmenprogramm, Leichenwagen und Wünschebaum, animierten ihn zu einem spontanen Text: “Wieso fährt man Leichenwagen? Der Tod fährt sowieso immer mit. Erst recht, wenn Yoko Ono dabei ist.”
“Forscher des Max-Planck-Instituts haben begonnen, Horst Seehofer zu klonen”, verkündet Zippert, “da in der CSU momentan kein zurechnungsfähiges Personal greifbar zu sein scheint.” Seehofer werde ab sofort sämtliche Ämter übernehmen. Die Körper von Erwin Huber und Günther Beckstein würden ausgestopft und auf Schloss Nymphenburg im Museum “Mensch und Natur” ausgestellt.
Dann wendete sich der Satiriker der aktuellen Entwicklung auf dem Finanzmarkt zu. Nachdem Angela Merkel versprochen habe, die Konten der Anleger seien sicher, glaubt Zippert, die Situation müsse sich doch für alle Bürger verbessern. “Tag für Tag warfen wir angstvolle Blicke auf unsere Einlagen und hofften, dass nichts passiert. Bisher vergeblich. Jeden Tag verschwand auf unerklärliche Weise Geld von unserem Girokonto.” Die Krankenkasse buchte Geld ab (”obwohl man gar nicht krank war”), “obskure Stromversorger” bedienten sich ebenso wie das Finanzamt.
Seine Schulzeit auf dem Bielefelder Ratsgymnasium bezeichnete Zippert als “zwölf Jahre Sicherungsverwahrung”. In den 70ern seien alle Lehrer ehemalige Nazis und unglaublich alt gewesen, erinnert sich der prominente Kolumnist: “Der Turnunterricht glich eher Wehrsport und der Deutschunterricht dem Turnunterricht.”
Schließlich gewährte Zippert noch Einblicke in das Wettermachen. Die Kachelmänner, so Zippert, machten es jedenfalls nicht. Vielmehr sei es wichtig, den Teller leer zu essen, worüber auf der ganzen Welt “die Tellerwächter in himmelblauen Anzügen” wachten.
Die Zuschauer bedankten sich mit viel Applaus.
Quellangabe:
Format: Neue Westfälische
Redaktion: Lokale Kultur
Verlag: Zeitungsverlag Neue Westfälische GmbH & Co.KG
Ausgabe: Samstag/Sonntag, 11./12. Oktober 2008
Autorin: Melanie Gieselmann (Text und Foto)






