Lustiges und Dramatisches
Preisverleihung des Poetry Awards 2007 im Miner’s Coffee
Bielefeld. Ein sichtlich erleichterter Andreas Liebold überreichte dem Cartoonisten Ralph Ruthe das Mikrofon. Ruthe sprang als Vorleser für den heiseren Vorjahressieger Mischael-Sarim Vérollet ein. Der Radio-Bielefeld-Moderator Andreas Liebold hatte bereits drei Kurzgeschichten vorgelesen (die Autoren waren krank oder zu schüchtern) und schien froh, das Mikro wieder einmal aus der Hand geben zu können.
Beim zweiten Bielefelder Poetry Award im Miner’s Coffee wurden die besten fünf aus 90 Einsendungen vorgelesen, anschließend die mit Geldpreisen bis zu 500 Euro dotierten Jury-Preise und der Publikumspreis ermittelt. Das diesjährige Thema “Hier, dort und anderswo” wurde von den Autoren vollkommen unterschiedlich umgesetzt. So beschäftigte sich Katja Breipohl in “Insellandheim” wortgewandt und mit haarscharfer Beobachtungsgabe ausgerüstet mit der perfekten Mutter und Ehefrau Konstanze, die auf einem Klassentreffen alle Vorsätze für eine Nacht über Bord wirft.
Robert Meyer beschreibt in “Kein guter Tauschkurs” einen zunächst missglückten Wohnungstausch von Hannover nach Bielefeld, und die Illustratorin Carmen Hochmann wirft in “Blick in die alte Zeit” einen eben solchen in die Vergangenheit. Meyer, Hochmann und Breipohl gewanen den fünften, dritten und zweiten Jurypreis. Auf Platz vier landete Stefanie Schröder aus der hiesigen Lesegruppe “Sitzen 73″. In “Keine durchgehende Verbindung” beschreibt sie den schweigsamen Wochenendtrip eines Fast-Pärchens und den wachsenden Zweifel und Missmut der Ich-Erzählerin. Der pointenreiche Text, der wohl jeder Frau aus der Seele sprach, bekam auch den Publikumspreis.
Der durch den Sparrenblog, die Lesebühne “Wortpalast” und zahlreiche erfolgreich bestrittene Poetry-Slams bekannte Mischael-Sarim Vérollet freute sich über den ersten Platz: “Ich schreibe normalerweise eher lustige Texte. Es ist toll, auch mit einem ernsten Thema Erfolg zu haben.” Vérollets “Inseln”, eine nüchtern geschriebene Kurzgeschichte um häusliche Gewalt, Einsamkeit und Hoffnung, entwickelte einen unglaublichen Sog. So konnten die Zuschauer die Entscheidung der Jury gut nachvollziehen. Die besten Geschichten erscheinen nächstes Jahr als Buch.
Quellangabe:
Format: Neue Westfälische
Redaktion: Lokale Kultur
Verlag: Zeitungsverlag NEUE WESTFÄLISCHE GmbH & Co.KG
Ausgabe: Freitag, 30. November 2007
Autorin: Hanna Irabi (Text & Foto)






