Klimakiller vor der Kneipe
An fast jedem Lokal steht ein Heizpilz - aber die Strahler sind Energiefresser
Bielefeld. Heizpilze machen es möglich: Cafébesucher können auch bei klirrender Kälte den Cappuccino unter freiem Himmel schlürfen. Umweltschützer protestieren jetzt gegen die Wärmestrahler. Auch in OWL ist eine emotionale Diskussion entfacht.
Das Geschäft mit den Strahlern aus Blech boomt so richtig, seit das Rauchverbot für Kneipen und Cafés besiegelt ist. Am 1. Januar tritt es in Nordrhein-Westfalen in Kraft. Dann wollen die Kneipiers ihre Gäste wohlig gewärmt draußen rauchen lassen. Nur wenige Gastronomen verweigern sich diesem Trend.
Der Bielefelder Rolf Grotegut ist einer von ihnen. Er betreibt das “Miner’s Coffee” in Bielefeld. Vor seinem Café soll kein Strahler stehen. “Ich bin kein Öko, aber die Heizpilze sind eine furchtbare Sache für unsere Umwelt”, sagt Grotegut. Eine Meinung, die er mit Umweltschützern teilt. “Heizstrahler gehören zu den Dingen, die die Welt nicht braucht. Absolut sinnlos!” schimpft Greenpeace-Sprecher Jan Haase. Die Grünen sehen das genauso - und wollen die mobilen Heizungen am liebsten verbieten. Messungen zeigen: Ein Gas-Heizpilz, der 36 Stunden in der Woche läuft, setzt im Jahr vier Tonnen Kohlendioxid frei. Genauso viel wie das Mittelklasseauto eines Vielfahrers. “Die meisten Heizpilze sind nicht so lange in Betrieb. Trotzdem wird hier unglaublich viel Energie verschwendet”, sagt Haase.
Die ersten deutschen Städte beginnen deshalb, die “Killerpilze” (Greenpeace) zu verbannen. Sie sind auch um ihr Stadtbild besorgt. “Um es deutlich zu sagen: Die Dinger sind potthässlich”, meint Sybille Hartmann, Umweltbeauftragte im schwäbischen Tübingen. Dort will die Stadt keine Genehmigungen mehr für Heizpilze ausstellen. In Stuttgart und Köln gibt es ähnliche Initiativen.
Auch im Bielefelder Rathaus sind die Energiesünder umstritten. Uwe Hofmeister, Klimaschutzbeauftragter der Stadt, sagt: “Wir versuchen alles, um unsere Gebäude besser zu dämmen. Aber gleichzeitig stellen wir neuerdings die Heizungen nach draußen. Das passt nicht zusammen.” Er befürchtet, dass die Stadt ihre Klimaziele verfehlen könnte, wenn die Zahl der Heizstrahler weiter rasant steigt. Um ein Ende des Booms ist nicht abzusehen. Auf den Weihnachtsmärkten sind die Strahler längst Standard. Auch Privatleute kaufen sich die Geräte, die auch mit Strom betrieben werden können. Dabei schont ein Einsatz im Wintergarten noch am ehesten das Klima. Denn geschlossene Räume speichern die Wärme, die Stromfresser können auf kleiner Flamme laufen.
Einer Branche passt die Heizpilz-Diskussion gar nicht: Die Wirte der Region fühlen sich nach dem Rauchverbot schon wieder benachteiligt. “Ein Verbot der Strahler wäre ein Schlag ins Gesicht der Gastronomen”, sagt Uwe Kirschner, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Durch die Strahler könne ein Umsatzrückgang durch das Rauchverbot abgeschwächt werden. Kirschner fragt bewusst provokativ: “Sollen unsere Gäste erfrieren, wenn sie eine Zigarette rauchen möchten? Die Heizpilze sind doch ein toller Service.”
Auch Kunden im “Miner’s Coffee” haben Chef Rolf Grotegut schon nach den Außenheizungen gefragt. Fast immer hat der Bielefelder erreicht, dass sie seine Entscheidung, keine Strahler aufzustellen, akzeptieren. “Vor allem die Studenten unterstützen mich sogar”, sagt er. Sein Wunsch: Andere Gastronomen sollen seinem Beispiel folgen. Grotegut sagt: “Eine schöne Decke ist doch sowieso viel kuscheliger.”
Quellangabe:
Format: Neue Westfälische
Redaktion: OWL
Verlag: Zeitungsverlag NEUE WESTFÄLISCHE GmbH & Co.KG
Ausgabe: Dienstag,20. November 2007
Autoren: Andreas Block (Text) und Bernd Schäperkötter (Fotos)






