01.10.2007 | Bielefelder

Kalter Kaffee

Erst letztens wurde ich beim Besuch einer auswärtigen Freundin gefragt, ob wir Bielefelder alle koffeinsüchtig sind. Denn so eine Dichte an Cafés wie sie hier auf wenigen Metern in unserer Altstadt zu finden sind, das würde selbst New Yorker Verhältnisse sprengen. Erst stolz, dass wir diesen Vergleich gegen die Weltmetropole gewonnen haben, schlug das Ganze dann aber schnell um, als ich merkte, wie sarkastisch diese Bemerkung doch gemeint war.

Gab es vor Jahren erst einen Goldsucher, der diese Art des Schürfens auch in seinen Geschäftsnamen einbrachte, versuchen nun einige andere ihr Glück mit dem „Schwarzen Gold“. Einer, der diesem Rausch verfallen ist, betitelt sein Unternehmen sogar nach einem Geldschrank, wohl in der Hoffnung, dass die Ader sehr ergiebig ist und er dort alles Erwirtschaftete in Sicherheit bringen kann. Bestimmt wird jeder Claim rund um den Gehrenberg nun bald komplett erschlossen sein. Interessant wird vor allem, wie der Weg in Richtung Alter Markt und zurück demnächst genutzt wird. Der größte Erfolg für die Minenbesitzer und alle weiteren, die sich an den Erfolg der ersten Mine hängen wollen, wäre es, wenn Pro7 ihre Außenaufnahmen von „Germany’s Next Topmodel“ in unsere Teutostadt verlegt, denn wir haben hier dann schließlich den längsten Laufsteg in OWL. Während Deutschlands Vorzeigeblondine Heidi Klum ihren Espresso schlürft und Bruce Darnell, das ist leider „der Wahrheit“, eine Latte nach der anderen bekommt, können westfälische Hilton-Doubles auf und ab flanieren um zu zeigen, ob sie für den Catwalk geeignet sind. Abgeschreckt von diesem Schauspiel, werden einige Stadtbummler demnächst sicher den Schleichweg am Crüwellhaus in Richtung Welle nutzen. Vorbei die Zeiten, in denen man ungestylt und ohne ein Wort zu verlieren zum Bäcker oder Kiosk schlurfen konnte.

Eine andere Frage ist, ob sich Preiskämpfe wie in einer anderen Weltstadt vermeiden lassen? Gemeint ist Berlin. So wie dort eine Dönerbude neben der anderen steht und wenige Gramm Gammelfleisch nur 1 Euro kosten, wird eventuell bei uns bald für kleines Geld eine Tasse Kaffee zu genießen sein. Aber Achtung: „Draußen nur Kännchen!“ Vielleicht hat auch der Kunsthallendirektor, nachdem er das Cafe in seinem Haus endlich von Amts wegen geschlossen hat und es dort nichts Warmes mehr gibt, Zeit sich allabendlich nach Ladenschluss um das Außenmobiliar dieser Röststuben zu kümmern. Hunderte von leeren angeketteten Tischen und Stühlen, könnte er Liebhabern der Werke Joseph Beuys wie ein Kunstwerk auf der DOCUMENTA präsentieren. Alles Schöne und Kleidsame in Schaufenstern gibt es dann auf diesen Metern nicht mehr zu sehen…aber das interessiert ja nicht die Bohne!

Quellangabe:

Format: Bielefelder

Verlag: Tips-Verlag

Rubrik: Das wirklich Allerletze

Autor: Thomas “Schmitti” Milse, Comedian