13.09.2007 | Westfalen-Blatt

Bielefelder Bürger werden zum Denkmal

      

Ungewöhnliches Kunstwerk in der Stadt geplant

        

Von Hendrik Uffmann. Bielefeld (WB). “Sie haben uns ein Denkmal gebaut”, heißt es in einem Lied der deutschen Band “Wir sind Helden”. Für die Bielefelder könnte dies bald - im Wortsinne - Wirklichkeit werden. Ein Gruppe engagierter Bürger setzt sich für die Errichtung des “Ich-Denkmals” mitten in der Stadt ein.

    

Ein “Ich-Denkmal”, das ist keines zum Anschauen, sondern zum selbst aktiv werden. Denn weder ein berühmter Dichter oder Denker, Kaiser oder König ist dabei dargestellt, das “Ich-Denkmal” ist ein Denkmal für alle. Es besteht aus einem Sockel mit Stufen, um darauf zu steigen, und in goldenen Lettern prangt auf der Vorderseite die Inschrift “Ich”. “Jeder kann sich auf den Sockel stellen und sich zum Beispiel fotografieren lassen. So zeigt das Denkmal, dass jeder Mensch einzigartig ist”, erklärt Norbert Schaldach. Er gehört zu den “Bielefelder Flaneuren”, die die Initiative zum Bau des Denkmals ergriffen haben. Der optimale Standort, so Schaldach, wäre im Park zwischen Ratscafè und Altstädter Kirche, aber auch die Grünfläche an der Kunsthalle oder andere Orte in der Innenstadt eignen sich gut.

       

Konzipiert hat die Idee des “Ich-Denkmals” der Künstler Hans Traxler, Mitglied der Neuen Frankfurter Schule. Erstmals aufgestellt wurde ein solches Denkmal 2005 in Frankfurt in einem Grüngürtel am Main. Das bislang bundesweit zweite steht seit Juli in Kassel. Bielefeld wäre die dritte Stadt, in der es ein solch ungewöhnliches Kunstwerk gäbe. “Und es täte der Stadt sicher gut ein Objekt zu haben, über das man spricht”, sagt Rolf Grotegut, Inhaber des “Miner’s Coffee”, der zusammen mit weiteren Kaufleuten wie Henner Zimmat (Schlepper Sport) und Petra Richter vom gleichnamigen Modegeschäft die Initiative der “Bielefelder Flaneuere” unterstützt.

      

Die “Flaneure” gibt es seit einem halben Jahr. Eigentlich haben sie sich zum Ziel gesetzt, die Bielefelder Gastronomie auf ganz neue Art zu entdecken. Regelmäßig besuchen sie verschiedene Eck-Kneipen oder Imbiss-Buden und verleihen ihnen - nach einem augenzwinkernden “Inkognito”-Test - das Siegel “Flaneur-geprüfte Gastronomie”. Berichtet wird darüber regelmäßig im Internet. Nachdem man von dem “Ich-Denkmal” in Frankfurt und Kassel erfahren habe sei die Idee entstanden, auch in Bielefeld eines aufzustellen.

       

Die Chance dazu schätzt Norbert Schaldach als gar nicht so schlecht ein. “Es hat erste informelle Gespräche mit der Stadt gegeben. Und die Reaktionen waren außerordentlich positiv.” Auch die Macher der Ausstellung “Caricatura” in Kassel, in deren Rahmen das Denkmal dort entstanden ist, seien von den Bielefelder Plänen gegeistert, erklärt Norbert Schaldach.

    

Die Kosten von voraussichtlich mehreren tausend Euro wollen die Initiatoren durch Sponsoren und Spenden aufbringen. Die erste Aktion dazu startete in der vergangenen Nacht im Internet. Bei einem “Blind-Shopping” können Interessierte ein Foto ersteigern, das bei einem der Streifzüge der “Bielefelder Flaneure” entstanden ist. “Was darauf zu sehen ist, wird vorher natürlich nicht verraten”, sagt Schaldach. Gebote können unter bielefelderflaneure@web.de abgegeben werden, der aktuelle Stand der Versteigerung wird im Internet veröffentlicht. Wer das Projekt des “Ich-Denkmals” unterstützen möchte findet weitere Informationen unter

      

www.bielefelderflaneure.twoday.net

     

      

Quellangabe:
Format: Westfalen Blatt
Verlag: Vereinigte Zeitungsverlage GmbH
Ausgabe: Donnerstag, 13. September 2006
Internet: http://www.westfalen-blatt.de
Text: Hendrik Uffmann
Foto: Hans-Werner Büscher