10.08.2007 | Neue Westfälische

Briefe an die Lokalredaktion

   

Potpourri aus Läden und Gastronomie

   

Über die bevorstehende Schließung der Fleischerei Thumel in der Bielefelder Altstadt und die Umwandlung des Traditionsgeschäftes in ein Café berichtete die Neue Westfälische am 19. Juli. Hierzu erreichten uns zwei Leserbriefe; der erste stammt aus der Feder von Hans-Günter Lamm, dem Kreishandwerksmeister, der andere ist von Rolf Grotegut; er ist Inhaber vom Nachbarcafé “Miner’s Coffee”:

      

       

Mit der Fleischerei Thumel schließt ein weiterer Fachbetrieb in der Innenstadt. Dieses gibt in doppelter Hinsicht Anlass zum Nachdenken. Einerseits geht der Innenstadt mit jedem Fachbetrieb, der seine Türen schließt, ein Stück Vielfalt und damit verbundene Lebensqualität verloren. Die Attraktivität der Fußgängerzone lebt vom Artikelmix, lebt von inhabergeführten Fachgeschäften, lebt von der Vielfalt. Allein Ketten und gastronomische Geschäfte werden die Attraktivität der Innenstadt mittelfristig nicht erhalten können. Andererseits schließt mit der Fleischerei Thumel ein Handwerksbetrieb, der bis heute für Qualität steht und die Nahversorgung gewährleistet. Hintergrund leider - wie so oft: Es findet sich kein Nachfolger, ein Problem gerade der Klein- und Mittelbetriebe des Handwerks. Insgesamt dürfte eine solche Entwicklung nicht im Sinne des Verbrauchers sein, denn es wird etwas zerstört, was in der Form nicht wiederkommt. So gesehen ist es durchaus besorgniserregend, dass die Fleischerei Thumel schließt.

   

Hans-Günter Lamm

33611 Bielefeld

   

   

    

Die Einschätzung von Jörg Beyer vom Einzelhandelsverband OWL, dass der Wandel vom traditionellen Handel in eine Bündelung von Gastronomie nicht besorgniserregend ist, kann ich nicht teilen. Gastronomie in gesundem Maße zwischen dem Einzelhandel angegliedert mag eine Bereicherung sein. Die gebündelte Gastronomie hingegen, und das hat sich in der Vergangenheit deutlich an Beispielen wie dem Klosterplatz gezeigt, schlägt in eine Richtung, die den letzten im Gehrenberg verbliebenen inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften eher einen kontraproduktiven Erfolg bringen kann. Gastronomie ist schön, wenn ich mir inmitten meiner Shopping-Tour mal eine Pause gönnen möchte oder ich abends mit Freunden essen gehe. Im Tagesgeschäft ist nicht das Magnet, das uns kaufkräftige Kundschaft in die Stadt zieht.

Eine zukunftsweisende Stadtplanung würde für mich bedeuten, ein abwechslungsreiches Potpourri aus Läden und Gastronomie anzubieten und keine rein gastronomischen Meilen, die für Passanten zum Spießrutenlauf werden, weil sie von beiden Seiten angegafft werden. Und wenn schon die Stadt Bielefeld nicht in der Lage oder auch in der Funktion ist, eine derartige Nutzungsplanung zu betreiben, dann sollten wir Gastronomen zukünftig vielleicht eigenständig etwas mehr darauf achten, wo wir uns ansiedeln, damit eine gleichmäßige Verteilung des Angebots entsteht.

Wenn wir nicht wollen, dass der traditionelle Handel ausstirbt, dann sollten wir auch bereit sein, ihn mehr zu unterstützen. Und auch, wenn es mal ein paar Euro mehr sind, gehe ich mit einem besseren Gefühl nach Hause. So wie mir das Bier in der lauschigen kleinen Bar besser schmeckt als auf dem Ballermann.

   

Rolf Grotegut

33602 Bielefeld

    

    

   

Quellangabe:

Format: Neue Westfälische

Redaktion: Lokales / Leserbriefe 

Verlag: Zeitungsverlag NEUE WESTFÄLISCHE GmbH & Co.KG

Augabe: Freitag, 10. August 2007