19.02.2005 | Neue Westfälische

Italienische Mundart
 
Siebte Poetrynight im “Miner’s” mit dem Kabarettisten Thomas C. Breuer
 
Bielefeld (giess). Der italienisch-deutschen Freundschaft zuliebe deckt der seit 27 Jahren tourende Kabarettist Thomas C. Breuer in seinem aktuellen Programm “Deutsche far Niente” die abgrundtief trennenden Gemeinsamkeiten der beiden Völker auf. Geradeheraus und ohne große Schnörkel quatscht er von der kleinen Bühne. Der fast zwei Meter große Anzugträger ist mit seinen kurz geschorenen Haaren eine angenehme, sympathische Erscheinung. Da er kein Meister des sparsamen wohltarierten Wortwitzes ist, amüsiert er trefflich mit den aus der Hüfte geschossenen Plaudereien.
 
Allerlei aufgeschnappte italienische Vokabeln verbrät Breuer schon bei seinem gefälligen Eingangs-Rundumschlag. Der polnische Charme des “Zölli-Batman” wird dabei ebenso durch den Cappuccino gezogen wie Horst Tappert samt seiner “Sacca di Träni”. Peinliche Zitate des umstrittensten deutschen Musikproduzenten, wohnhaft in Tötensen, wirken ebenso angestaubt und bemüht wie die schon zwanghaften Verunglimpfungen des bekanntesten deutschen Fernsehkochs und seiner Sendung “Alfredissimo”.
 
Dabei ist Breuer sich seiner Kalauer-Niveaulosigkeit durchaus bewusst und versucht leider auch gerade daraus noch Potenzial für einen zusätzlichen Lacher zu schöpfen. Das ist umso bedauerlicher, weil wirklich witzige Details wie der Deutschen Lifestyle-Minderwertigkeitskomplex lebensbejahenden Italienern und Franzosen gegenüber nicht sonderlich herausgearbeitet werden. So gehen viele scheinbar gute Einfalle und sein teilweise bissiger Humor in den klamaukigen Belanglosigkeiten der Mundart-Exzesse unter.
 
Heidelberger Interpretationen südländischen Köstlichkeiten wie das “Schiabadda” oder das Frühstucks-”Graso” müssen herhalten, um die Gäste zu begeistern. Zur Pause singt der Wahl-Rottweiler mit Mütze und Sonnenbrille “verkleidet” ein illustres Ständchen für das Volk der Ramazottis und Celentanos. Das Publikum ist ausgelassen und amüsiert, bietet der Abend doch einen kurzweiligen Ausflug in den sonnigen Süden.
 
 
Quellangabe:
Format: Neue Westfälische
Redaktion: Lokales
Verlag: Zeitungsverlag NEUE WESTFÄLISCHE GmbH & Co.KG
Ausgabe: Freitag, 19. Februar 2005
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