31.08.2002 | Westfalen Blatt

Lecker und trendy zeigt sich der »neue« 

Kaffeekult und Kekse 

»Vanilla latte - kommt sofort!« Die junge Frau hinter dem Tresen lächelt und tippt 2,40 Euro in die elektronische Kasse. Modern und hell ist es im »Miner’s Coffee« in Bielefeld. Ganz ohne plüschiges Ambiente und antiquiertes Drumherum hat der Coffee-Shop nicht viel gemein mit den traditionellen Kaffeehäusern. Silberlöffel und Tischdeckchen sucht man hier ebenso vergebens wie Serviererinnen in schwarzen Kleidern und weißen Schürzen. Dafür gibt es ein Kaffee-Milch-Gemisch im Glas - mit Strohhalm, versteht sich. Hip ist es geworden, locker und trendy - was sich vor allem an der Kaffee-Vielfalt auf der Karte zeigt. Die angesagten Enkel vom Kännchen Kaffee heißen »Caramel Macchiato«, »Vanilla Latte oder »Toasted Marshmallow Coffee«.

So manch einer lässt hier mittags beim Caramel Macchiato die Seele baumeln - undenkbar vor drei Jahren: Da gab’s den Cappuccino hur beim Italiener und das altbekannte Kännchen Kaffee im Konditorei-Café. An »flavoured Coffees« (aromatisierte Kaffees) dachte niemand. Das Café hatte Sahnetorte im Angebot und der Gast durfte sich beim Kaffee zwischen Milch und Zucker entscheiden. Den Schwarzen trinkt man heute nur noch selten pur - voll im Trend sind jene kaffee- oder espressobasierenden Getränke mit Vanille- und Caramelgeschmack. »Doch natürlich gibt’s auf Wunsch auch den Klassiker,« sagt »Miner’s Coffee«-Besitzer Rolf Grotegut. 

Kaffee-Bars wie die in der Bielefelder Altstadt wurden nach Angaben des Deutschen Kaffee-Verbandes in den vergangenen Jahren rund 400 Mal eröffnet, mehr als 60 Shops allein in Berlin. Und das Geschäft läuft gut: Das Publikum ist qualitätsbewusst und bereit, für einen hochwertigen Kaffee auch einen höheren Preis zu zahlen. Junge wie Alte zieht es in die hellen Räume. Vor allem die Schnelle belebt das Geschäft, man kommt und geht: am Morgen vor der Arbeit den kleinen Schwarzen zum Wachwerden, zum Frühstück Cappuccino plus Bagel. Darf’s zum Einkaufen ein Latte Macchiato sein, oder in der Mittagspause ein Café Latte? Die Lust auf die trendigen Kaffee-Variationen steigt weiter. Sehen und gesehen werden, das wollen die Besucher im »Miner’s«, man plaudert mit Freunden oder genießt allein eine braune Köstlichkeit.

Optisch liegen Welten zwischen Coffee-Bar und der guten alten Kaffeehaus-Tradition - allein das Ziel, den besten Kaffee zu verkaufen, verbindet. Überzeugt, mit einem CoffeeShop dem Kaffee in Bielefeld zu einem Comeback zu verhelfen, und inspiriert durch amerikanische Lokale, eröffnete Rolf Grotegut mit seiner Frau Sabine als »branchenfremder Einzelkämpfer« vor zwei Jahren das erste »andere« Café in Bielefeld. Sein Motto: Qualität bieten, ob als Getränk oder Bohne. Alles wird handverlesen und -gebrüht - und das Publikum dankt es. Der cremige Milchschaum auf dem »Vanilla Latte« schmeckt verführerisch nach mehr, und bei den angesagten »flavoured Coffees« fällt vielen Gästen die Entscheidung schwer. Kreativität belebt das Geschäft: Die Sommerhits in diesem Jahr sind »Frozen Mocca Macchiato« und »Frozen White Macchiato« - gefrorener Schokoladen-MilchEspresso und gefrorener Weißer Schokoladen-Milch-Espresso. Die Lust auf Kaffeeköstlichkeiten für den Winter weckt Grotegut schon jetzt: »Apple Pie Latte« war der Hit im vergangenen Winter. Zur Zeit experimentieren wir an »Ginger Bread Latte«, mit einer dezenten Lebkuchennote.« Na dann, geschmackvolles Warten!  

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Titel: Kaffeekult und KekseFormat: Westfalen BlattRedaktion: Schönes WochenendeVerlag: Vereinigte Zeitungsverlage GmbHAusgabe: Samstag, 31. August 2002Internet: http://www.westfalen-blatt.de e-mail: wb@swestfalen-blatt.de Autor: Dagmar FröhlichSabine von Stürmere-mail: bielefeld@westfalen-blatt.de